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Der Weihnachtszauber meiner Kindheit

Die Tage bis heilig Abend

Die Aufregung war groß, als die geschlossenen Türchen meines Adventkalenders immer weniger wurden.

 

Ein paar Tage vor Weihnachten, war das Spielzimmer plötzlich über Nacht verschlossen. An der Türklinke hingen ein paar Fäden Lametta. Das Schlüsselloch war zugeklebt.

 

Das Christkind war schon da und hat alles vorbereitet.

Die Vorfreude war riesig!

 

Der große Tag

Am 24. wurde der Tag damit verbracht das ganze Haus blitzeblank zu putzen, die Krippe aufzubauen, alles zu dekorieren, ein hübsches Tuch im Wohnzimmer auszulegen damit das Christkind auch weiß, wo der Christbaum hin soll.

Die Keksteller wurden gefüllt (bei uns durften die ersten Weihnachtskekse immer erst an heilig Abend verspeist werden) und das Friedenslicht nach Hause geholt.

 

Dann besuchten  wir auch noch die Oma, die nicht bei uns wohnte, denn die ist ja ganz alleine. Wir nahmen ihr immer das Friedenslicht mit und halfen ihr, ihren kleinen Plastikchristbaum vom Dachboden zu holen und in der Küche aufzustellen. Dann gab es dort die ersten Geschenke, die auch gleich ausgepackt werden durften, weil das Christkind immer schon am Nachmittag zu Oma kam.

 

Es war immer sehr hecktisch, denn um 16 Uhr begann schon die Kindermesse in der Kirche und bis dahin musste alles erledigt sein!

Eigentlich viel unnötiger Stress, aber so war das nunmal an Weihnachten!

 

Dann schnell nach Hause. Meine Mutter versorgte noch die Kühe und ging nochmal in den Heizraum (eigentlich nicht - sie schlich ins Spielzimmer, schleppte den Christbaum so leise wie möglich ins Wohnzimmer und legte alle Geschenke darunter), während meine Oma schon mal mit mir die ersten Weihnachtslieder sang (Sie sang immer besonders laut, damit ich nicht hörte, wie sich meine Mutter mit dem Christbaum abrackerte).

 

Als es dann endlich Abend wurde

Endlich war es soweit! Alle (Mama, Oma & ich) versammelten sich rund um den Adventkranz.

 

Es wurden  Weihnachtslieder gesungen und Geschichten gelesen. Jeder hat einen kleinen Beitrag geleistet.

Als letztes war das Lied "Stille Nacht" an der Reihe und wie jedes Jahr, war dass das Lied, bei dem das Christkind kam. Das wusste ich, weil dann immer dieses eine Glöckchen läutete (Meine Mutter hat das Glöckchen versteckt und dann heimlich unter dem Tisch geläutet).

Ich drehte mich sofort zum Fenster, als ich es läuten hörte und war jedes Jahr fest davon überzeugt, das ich das Christkind vorbeifliegen sah. Keiner durfte während des Läutens ins Wohnzimmer gehen, weil sonst das Christkind bei der Arbeit gestört wird!

Das Lied musste brav fertig gesungen werden und erst dann gingen wir erfürchtig schauen, ob das Christkind schon da war.

 

 

Im Wohnzimmer war es dunkel. Nur der Christbaum und die Weihnachtskrippe waren beleuchtet. Was für einen schönen Christbaum das Christkind uns wieder gebracht hat!

Unter dem Christbaum waren viele Pakete. Große und Kleine. Alles wurde ausgepackt.

Dann schnell in die Küche um das Weihnachtsessen zuzubereiten.

 

Es gab, wie jedes Jahr, Fischstäbchen mit Pommes. Die gab es das ganze Jahr nicht. Nur an Weihnachten!

(Ursprünglich gab es mal "richtigen" Fisch mit Kartoffeln, aber die Oma hatte mit ihrem künstlichen Gebiss, große Probleme mit den Gräten. Also wurden es Fischstäbchen)

 

Dann durfte ich mich meistens noch kurz mit meinen Geschenken beschäftigen und fiel dann todmüde von  all den Vorbereitungen, der Aufregung und den vielen Eindrücken, ins Bett.

 

 

So wurde heilig Abend verbracht, bis ich mit 10 oder 11 Jahren aufhörte, an das Christkind zu glauben.

 

Eine kostbare Erinnerung

Jetzt rührt es mich zu Tränen, wie alle bemüht waren, mir diesen Abend schön zu gestalten. Die Vorstellung, wie sich meine Mutter alleine mit dem Christbaum und den Geschenken abrackerte, während meine Oma seelenruhig mit mir im Nebenzimmer saß und lautstark Weihnachtslieder trällerte - herrlich!

Aber ich glaube für Erwachsene gibt es an Weihnachten nichts schöneres als dieses Funkeln in den Augen eines Kindes.

 

Ich bin froh, das es mir ermöglicht wurde, Weihnachten so zu erleben, dass vor lauter Faszination und Vorfreude auf diesen Zauber, die Geschenke in den Hintergrund traten.

 

Heute bin ich wirklich sehr dankbar über diese Erinnerung und möchte meinen Kindern auch mal diesen ganz besonderen Weihnachtszauber ermöglichen ♥

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